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Die Nacht furchterregender Gestalten naht

„Leichen“ im Garten – Halloween lässt Vorgärten und Häuser in gruseliger Schönheit erstrahlen

2017
Witzig kostümierte und manchmal auch gruselige Gestalten tummeln sich in der Halloween-Nacht in Gassen und Straßen. Foto: Tschorn

Deutschland, circa 17.30 Uhr. Dämmerung setzt ein. Nicht nur das Kalenderblatt, sondern auch das Treiben auf den Straßen lassen erahnen, dass etwas Großes vor der Tür steht: Halloween. Die Nacht des 31. Oktober ist die Nacht der Halbtoten, Hexen, Vampire und anderer furchterregender Gestalten. Wo es in den Reihenhaus-Siedlungen am Vorabend noch geordnet zuging, weht an diesem Abend ein leichter Hauch des Grusels durch die Gassen.

Die Vorbereitungen für das ursprünglich keltische Fest beginnen mittlerweile in vielen Familien Wochen vorher. Schon lange ist es vielerorts nicht mehr damit getan, einen zur Fratze geschnitzten Kürbis mit Teelicht ins Fenster zu stellen. Noch vor ein paar Jahren eher eine Ausrede für Kinder bei den Nachbarn zu klingeln und um Süßigkeiten zu bitten, ist Halloween heute ein Fest für die gesamte Familie. Während die Kinder verkleidet der Tradition „Süßes oder Saures“ erfreut nachgehen, laden die Eltern Freunde ein zu saftiger Augen-Bowle, blutrotem Glibber-Kuchen oder abgehackten Wurst-Fingern. Kostümiert, versteht sich. Und damit das Gesamtbild stimmt, werden auch die Wohnungen und Häuser innen wie außen dekoriert und in ein Grusel-Paradies verwandelt. Wie für die Adventszeit werden mittlerweile auch für Halloween ganze Konzepte entwickelt: Wo soll die Leiche im Garten liegen? An welchem Ast soll das Monster baumeln? Welche Geräuschkulisse rundet das selbst Erschaffene Gruselkabinett ab? So werden im Vorfeld der Handel nach passenden Kostümen abgesucht, Dekorationen erdacht und der Keller oder Dachboden geplündert. Und auch die Kleinsten sind eifrig dabei ekliges Gummigetier und künstliche Spinnweben in der Wohnung zu verteilen.

Halloween hat vor rund 20 Jahren Einzug in Deutschland gehalten. Damals, 1994, suchte die Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie (DVSI) nach einem wirtschaftlichen Ausgleich für die geschäftlichen Einbußen des Karneval-Ausfalls durch den Golfkrieg 1991/92. Halloween sollte den Verlust wettmachen und gleichzeitig durch den festen Termin am 31. Oktober eine Konstante in die vom Kirchenjahr bestimmte Karnevalsdauer bringen. Seitdem gewinnt das Verkleidungsspektakel bereits ab Anfang Oktober zunehmend an Bedeutung und fasziniert über alle Altersklassen hinweg. Mittlerweile ist Halloween ein profitabler Zug, auf den immer mehr Branchen aufspringen.

Die Tradition des Grusels reicht allerdings über 2000 Jahre zurück und hat ihren Ursprung bei den Kelten. Vor allem in Irland und Schottland wurde der Abend vor Allerheiligen („All Hallow’s Eve“) gefeiert. Damals glaubte man, dass an jenem Abend nicht nur die Seelen der im vergangenen Jahr Verstorbenen als Geister auferstehen, sondern auch die bösen Mächte regieren. Die ausgehöhlten Kürbisse, die heute noch das Symbol für Halloween sind, wurden als Laternen genutzt und sollten an den irischen Schmied Jack O’Lantern erinnern, der der Sage nach vom Teufel in der Halloween-Nacht aus der Hölle geworfen wurde. Erst im 19. Jahrhundert brachten irische Einwanderer das Fest nach Amerika, wo es sich immer mehr zu einem Volksfest entwickelte.

In Deutschland ist Halloween wie auch Karneval eine willkommene Ablenkung vom Alltagstrott, die man nutzen kann, um für ein paar Tage oder auch nur Stunden in eine andere Rolle zu schlüpfen. Während die einen an ihrem Grusel-Konzept tüfteln oder leckere Rezepten aushexen, haben die anderen schon ihr perfektes Kostüm gefunden und sind bereit für den Abend vor Allerheiligen. Eins ist allen gemeinsam: Das Warten auf den 31. Oktober, 17.30 Uhr, Beginn der Dämmerung.